Die bisherigen PreisträgerInnen

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2020

Die Preisverleihung im Jahr 2020 konnte bisher wegen des COVID-19 Virus noch nicht stattfinden. Wir stellen die von der Jury ausgewählten Nachwuchsforscherinnen daher vorerst ausführlich auf unserer Webseite vor. Die Jury hat wie jedes Jahr unter vielen sehr guten Beiträgen zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen ausgewählt, die einen besonderen Beitrag zur Friedens- und Konfliktforschung geleistet haben. Herzlichen Glückwunsch an Anne-Katrin Kreft und Pia Falschebner.

  • Anne-Katrin Kreft mit ihrer Dissertation: ”Sexual Violence in Armed Conflict: Threat, Mobilization and Gender Norms” an der Universität Göteborg.

Abstract:

Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen sexueller Kriegsgewalt und der politischen Handlungskraft (agency) von Frauen. Sexuelle Gewalt gegen Frauen wird als eine stark geschlechtsbezogene Form der Gewalt, und somit als expliziter Angriff auf die Sicherheit, die sexuelle Autonomie sowie die Identität der Opfer als Frauen verstanden. Dies hat zur Folge, dass der Themenkomplex Gender in nationalen wie internationalen Reaktionen auf diese Gewalt eine zentrale Rolle einnimmt. In einer Kombination länderübergreifender statistischer Analysen und qualitativer Interviews mit Vertreterinnen verschiedener NGOs und Opferverbände in Kolumbien, stellt die Dissertation zunächst heraus, dass Frauen sich als Antwort auf die kollektive Bedrohung (collective threat) durch verbreitete sexuelle Kriegsgewalt dem zivilgesellschaftlichen Aktivismus verschreiben. In den Interviews sticht dabei heraus, dass die Aktivistinnen sexuelle Gewalt als eine extreme Manifestation patriarchalischer Strukturen betrachten, deren Bewältigung umfangreiche gesellschaftliche Veränderungen erfordert. Im zweiten Teil der Dissertation zeigen statistische Analysen, dass internationale Akteure insbesondere unter Bedingungen verbreiteter sexueller Kriegsgewalt Wert auf eine Gender-Dimension in ihren Interventionen legen. So mehren sich in UN-Friedensmissionsmandaten nicht nur auf den Schutz von Frauen und Mädchen abzielende Maßnahmen, sondern auch solche zur Stärkung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Beteiligung von Frauen, wenn in dem jeweiligen Konflikt sexuelle Gewalt verbreitet ist. Weiterhin führt der simultane Druck aus der Zivilgesellschaft und von internationalen Akteuren insbesondere in Staaten, die von verbreiteter sexueller Gewalt in Konflikten betroffen sind, zur Verabschiedung von „gender policies“ wie legislativen Frauenquoten. Zusammenfassend stellt die Dissertation somit heraus, dass es selbst unter Bedingungen extremer sexueller Kriegsgewalt zu einer gestärkten politischen Handlungskraft von Frauen kommen kann. Hieran sind nationale, zivilgesellschaftliche Prozesse wie auch internationales Engagement beteiligt.

Anne-Kathrin Kreft verteidigte im Juni 2019 an der Universität Göteborg ihre Dissertation mit dem Titel ”Sexual Violence in Armed Conflict: Threat, Mobilization and Gender Norms”. Aus der Dissertation sind vier Veröffentlichungen in den akademischen Fachzeitschriften Journal of Peace Research, Journal of Conflict Resolution, International Affairsund International Peacekeeping hervorgegangen. Eine weitere Publikation ist in Comparative Political Studieserschienen. Seit März 2020 arbeitet Anne-Kathrin Kreft als Postdoktor an der Universität Göteborg, wo sie in einem dreijährigen vom schwedischen Wissenschaftsrat (Vetenskapsrådet) finanzierten Projekt Backlash gegen Frauen als zivilgesellschaftliche Akteure in Post-Konfliktsituationen untersucht.

 

  • Pia Falschebner mit ihrer Masterarbeit: “DEKOLONISIERUNG. MACHT. ERINNERUNG. Perspektiven von Betroffenen auf die Erinnerungskultur des deutschen Kolonialismus und post-koloniale Transformationspotentiale” an der Philipps-Universität Marburg. 

Abstract:

Die Forschung über die Auswirkungen der momentanen Erinnerungskultur des deutschen Kolonialismus und Visionen einer alternativen Erinnerungskultur basiert auf qualitativen Interviews mit in Deutschland lebenden People of Colour (PoC), die einen Hintergrund in den ehemaligen deutschen Kolonien Deutsch-Südwestafrika (Namibia) oder Deutsch-Ostafrika (Tansania) haben und sich selbst als vom Kolonialismus betroffen begreifen. Die Arbeit nimmt aus einer post-kolonialen Perspektive explizit die Wahrnehmungen, Meinungen, Vorstellungen und Emotionen dieser Gruppe als Ausgangspunkt ihres Erkenntnisinteresses. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei aufeinander aufbauende Fragen: Erstens, wie nimmt diese Gruppe die momentane Erinnerungskultur des deutschen Kolonialismus wahr und welche Bedeutung und Effekte schreibt sie dieser zu? Zweitens, wie imaginiert sie eine Dekolonisierung derselbigen und welche Transformationspotentiale identifiziert sie in diesem Zusammenhang auf individueller und gesellschaftlicher Ebene? Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die momentane Erinnerungskultur Teil eines rassistischen Systems des anhaltenden Ausschlusses und der Entmenschlichung „kolonialer Subjekte“ (und ihrer Nachfahr*innen) ist. Sie zeigen aber auch, dass Erinnerung gleichzeitig zu dieser Rolle als stabilisierendes und reproduzierendes Element von Herrschaftsstrukturen aufgrund ihrer Multidirektionalität auch zur Dekonstruktion derselben beitragen kann. Die Dekolonisierung von Erinnerung bietet wichtige Potentiale zur Neugestaltung der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie gesellschaftlicher Verhältnisse entlang Ideen einer geteilten Menschlichkeit.

Pia Falschebner studierte den Bachelor Afrikawissenschaften an der Universität Bayreuth. Vor kurzem hat sie ihren Master der Friedens- und Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg abgeschlossen. Im Rahmen ihres Studiums absolvierte sie unter anderem Aufenthalte in Großbritannien, Südafrika und Uganda. Zu ihren Interessenschwerpunkten zählen post-koloniale Theorie, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerung, Identität und Konflikt, und Widerstand und soziale Bewegungen. Neben ihrer akademischen Arbeit engagiert sie sich seit Jahren zivilgesellschaftlich, unter anderem für die Seebrücke.

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2019

  • Elisabeth Bunselmeyer: “Trust Repaired? The Impact of the Truth and Reconciliation Commission and the Reparation Program on Social Cohesion in Post-Conflict Communities of Peru”
  • Dr. Robin Markwica: “Emotional Choices: How the Logic of Affect Shapes Coercive Diplomacy” 

Die Laudatio von Dr. Werner Distler (Philipps-Universität Marburg) zur Verleihung des Christiane-Rajewsky-Preises 2019 ) finden Sie hier.

 

 Christiane-Rajewsky-Preis 2018

  • Dr. Philipp Lottholz: “Post-liberal statebuilding in Central Asia: A decolonial perspective on community security practices and imaginaries of social order in Kyrgyzstan”
  • David Scheuing, MA: “The ‘Balkan Route Corridor’: Actors and Placemaking during the Border Crisis of 2014-2016”

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2017

  • Dr. Antonia Witt: “Ordering by Default. The Politics and Power of Post-Coup Interventions in Africa” (Dissertation) an der Universität Leipzig

 

 

 

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2016

  • Dr. Evelyne Schmid: “Taking Economic, Social and Cultural Rights Seriously in International Criminal Law” (Dissertation) an der Universität Basel
  • Dorte Hühnert: “New Kind of War – New Kind of Detention? How the Bush Administration Introduced the Unlawful Enemy Combatant” (Masterarbeit) an der Goethe-Universität Frankfurt/Main

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2015

  • Miriam Schroer-Hippel: “Die Demilitarisierung von Männlichkeitsvorstellungen. Beispiele aus der zivilgesellschaftlichen Friedensarbeit in Bosnien-Herzegowina, Kroation und Serbien” (eingereichte Dissertation) an der FU Berlin

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2014

  • Dr. Sylvia Karl:  „Präsenz der Abwesenheit. Die Verschwundenen Mexikos zwischen Dehumanisierung und Rehumanisierung“ (Dissertation) an der Universität Marburg
  • Nina Grellmann:  „The Banking Sector – financing or preventing conflict? Integrating conflict prevention into banks’ Corporate Social Responsibility (CSR)“ (Masterarbeit) an der Universität Tübingen
  • Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK): Das Konfliktbarometer (Homepage des HIIK)

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2013

  • Dr. Maximilian Lakitsch: „Unbehagen im modernen Staat – Über die Grundlagen staatlicher Gewalt“ (Dissertation) an der Universität Graz

 

Die Preisträgerin von 2012, Dr. Silja Klepp (Universität Leipzig/Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung/Halle)Christiane-Rajewsky-Preis 2012

  • Dr. Silja Klepp: „Europa zwischen Grenzkontrolle und Flüchtlingsschutz: Eine Ethnographie der Seegrenze auf dem Mittelmeer.“ (Dissertation) an der Universität Leipzig und am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung/Halle

 

Dr. Claudia Brunner (Universität Klagenfurt), Preisträgerin des Nachwuchsförderpreises 2011Christiane-Rajewsky-Preis 2011

  • Dr. Claudia Brunner:  „Sinnformel Selbstmordattentat. Epistemische Gewalt und okzidentalistische Selbstvergewisserung in der Terrorismusforschung“ (Dissertation) an der Universität Wien

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2010

  • Hannah Franzki: „Strafrecht als Mittel des Vergangenheitsmanagements. Die Fälle Argentinien und Uruguay“ (Diplomarbeit) an der Philipps-Universität Marburg
  • Dr. Martin Binder: „The Selectivity of Humanitarian Intervention“ (Dissertation) im Fach Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2009

  • Manuel Winkelkotte: „Der innerpalästinensische Konflikt. Eine Analyse der Gewaltdynamiken im Konflikt zwischen Fatah und Hamas” (Diplomarbeit) im Fach Social Sciences an der Humboldt-Universität Berlin, Kurzfassung
  • Dr. Cordula Dittmer: „Genderkonstruktion im Militär unter besonderer Berücksichtigung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr” (Dissertation) im Fach Soziologie an der Philipps-Universität Marburg, Kurzfassung

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2008

  • Miriam Seemann: „Ressource Conflicts and Conflict Transformation. The Role of Power Balances in Decision-Making and Negotiation-Processes in Conflicts. The Case of the Ecuadorian Amazon Region” (Masterarbeit) in den Fächern Interkulturelles Konfliktmanagement und Lateinamerikastudien an der Alice-Salomon Fachhochschule Berlin
  • Sarah Clasen: „Engendering Peace. Eine gendersensitive Weiterentwicklung des Czempielschen Friedensmodells” (Magisterarbeit) im Fach Politikwissenschaft an der Universität Tübingen
  • Dr. Nadine Bilke: „Qualität in der Krisen- und Kriegsberichterstattung. Ein Modell für einen konfliktsensitiven Journalismus” (Dissertation) im Fach Journalistik an der Universität Dortmund

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2007

  • Dr. Marcel M. Baumann: „Zwischenwelten: Weder Krieg noch Frieden. Über den konstruktiven Umgang mit Gewaltphänomenen im Prozess der Konflikttransformation” (Dissertation) im Fach Politikwissenschaft an der Humboldt Universität zu Berlin
  • Dr. Silke Oldenburg: „Lebensverhältnisse und Zukunftsperspektiven jugendlicher Binnenflüchtlinge in Altos de Cazucá (Kolumbien). Eine ethnologische Fallstudie” (Magisterarbeit) in den Fächern Sozialanthropologie und Geschichte an der Freien Universität Berlin

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2006

  • Dr. Sonja Schüler: „Integration durch Demokratisierung? Die Minderheitensituation der Roma in Bulgarien seit 1989” (Dissertation) im Fach Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg, Kurzfassung

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2005

  • Nikolai Link: „Gemeinsam in den Abgrund? Eskalationdynamik und Konfliktmanagement im äthiopisch-eritreischen Grenzstreit” (Diplomarbeit) im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Download der Arbeit

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2004

  • Kassian Stroh: „Konflikt und Kooperation am Wasser. Eine Fallstudie über den Nil” (Magisterarbeit) im Fach Politische Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Kurzfassung

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2003

  • Prof. Dr. Ulrich Schneckener: „Auswege aus dem Bürgerkrieg. Modelle zur Regulierung ethno-nationalistischer Konflikte in Europa” (Dissertation) im Fach Politikwissenschaft an der Universität Bremen, Kurzfassung

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2002

  • Jule Endruweit: „Chancen und Grenzen externer Konfliktbearbeitung in Afrika. Die Erfahrungen der Vereinten Nationen in Angola und Mosambik” (Diplomarbeit) im Fach Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin
  • Andrea Stengel: „Sicherheitspolitik der baltischen Staaten seit der Unabhängigkeit” an der Universität Osnabrück

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2001

  • Ute Möntnich: „Die Eskalation der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien aus der Sicht der Theorie von Ralf Dahrendorf und Norbert Elias” im Fach Soziologie an der Philipps-Universität Marburg

 

Christiane-Rajewsky-Preis 2000

  • Ekkehard Forberg und Ulf Terlinden: „Small Arms in Somalia: Their Role and Diffusion” (Field Report) im Fach Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin

 

Christiane-Rajewsky-Preis 1999

  • Katharina Burges: „Die neuen Feindbilder. Eine Kritik rational inspirierter Weltsichten zur Erklärung des postmodernen Zeitalters” an der Universität Braunschweig

 

Christiane-Rajewsky-Preis 1998

  • Ralf Bendrath: „Söldnerfirmen in Afrika. Neue politische Vergesellschaftungsformen jenseits des Staates” (Studie) im Fach Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin

 

Christiane-Rajewsky-Preis 1997

  • Redaktion der Zeitschrift “antimilitarismus information”
  • Cornelia Zirpins: „Vergewaltigung. Analyse eines Kriegsverbrechens”

 

Christiane-Rajewsky-Preis 1994

  • Dr. Anja Seiffert: „Images und Phantasien in der Kriegsliteratur am Beispiel Ernst Jüngers ‘Stahlgewitter’” (Magisterarbeit) im Fach Germanistik

 

Christiane-Rajewsky-Preis 1993

  • Dr. Tordis Batscheider: „Friedensforschung und Geschlechterverhältnisse. Selbstreflexive Betrachtungen zum erweiterten Gewaltbegriff” (Dissertation)
  • Prof. Dr. Christoph Weller: „Feindbilder und ihr Zerfall. Eine Analyse des Einstellungswandels gegenüber der Sowjetunion” (Arbeitspapiere) im Fach Politikwissenschaft an der Universität Tübingen

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