AK Wissenschaft und Praxis

Herzlich Willkommen auf der Webseite des AK Wissenschaft und Praxis

Der Arbeitskreis Wissenschaft und Praxis möchte zu einer stärkeren Vernetzung von Friedens- und Konfliktforschung und der Konfliktbearbeitung/Friedensförderung beitragen. Um Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen gleichermaßen zu erreichen, ist der Arbeitskreis sowohl bei der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung als auch bei der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung angesiedelt.

Ziel des AK ist es, Wissenschaftler*innen, die den Bedarf für einen stärkeren Praxisbezug und Praktiker*innen, die den Bedarf für einen stärkeren Wissenschaftsbezug in der Friedensforschung/Friedensförderung bzw. Konfliktforschung/Konfliktbearbeitung sehen, miteinander zu vernetzen und einen Diskussionsraum anzubieten.

Mit Workshops und Tagungen sowie durch seine Mailing-Liste möchte der AK Wissenschaft und Praxis dazu beitragen, die Wissenschaft für Herausforderungen und Fragestellungen der Praxis zu sensibilisieren, die praktische Relevanz von Forschungsarbeiten zu stärken und aus wissenschaftlicher Perspektive Impulse für die konstruktive Bearbeitung von Konflikten zu geben.

Kontakt/ Mailingliste

Der Arbeitskreis kann per Mail erreicht werden: wissenschaftundpraxis@afk-web.de

Die Arbeitsgruppe hat eine Mailingliste. Um aufgenommen zu werden, bitte eine Nachricht an die Liste senden:liste-wissenschaftundpraxis@afk-web.de

 

Kerngruppe zur Koordination des Arbeitskreises: Julia Dencker, Thomas Held, Gregor Walter-Drop, Christoph Weller

Aktuelles / Ankündigungen

Einladung zum Wissenschaft-Praxis-Transfer

Gerade im Bereich der Konfliktbearbeitung gibt es zahlreiche Themen und Fragestellungen, die sowohl in der Wissenschaft als auch für Praktiker*innen von aktueller Relevanz sind. Was daraus konkret für die Forschung resultiert, lässt sich am ehesten in einem gelingenden Transfer zwischen Praxis und Wissenschaft erkennen, der keine Einbahnstraße sein sollte, sondern auf wechselseitigen Austausch angewiesen ist. 

Um diesen Transfer von Praxis zu Wissenschaft und von Wissenschaft zur Praxis zu erleichtern und zu verbessern, soll in Zusammenarbeit mit der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, dem Bundesnetzwerk Konfliktbearbeitung und dem Kooperationsverbund demokratische Konfliktbearbeitung die Vernetzung aller am Transfer Interessierten intensiviert und der AFK-Arbeitskreis „Wissenschaft und Praxis“ eine Scharnierfunktion einnehmen. Auf dieser Homepage finden sich aktuelle Informationen sowie Hinweise auf Transfer-Aktivitäten und thematisch einschlägige Workshops und Tagungen, zu denen Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus dem Feld der Friedensforschung und Friedensarbeit, Konfliktbearbeitung und Konfliktforschung eingeladen sind.

Wenn Sie daran interessiert sind, zu einem erfolgreichen Transfer von Wissenschaft in die Praxis beizutragen, wenden Sie sich mit Ihren Ideen an ein Mitglied der Kerngruppe des AK W&P (Julia Dencker, Thomas Held, Gregor Walter-Drop, Christoph Weller)

Bericht vom AK-Treffen in Leipzig: Das Arbeitskreis-Treffen beim AFK-Kolloquium am 12. März in Leipzig hatte 13 Mitwirkende und folgende Ergebnisse:

die eingerichtete Mailing-Liste leistet gute Arbeit und bietet allen Interessierten eine einfache Möglichkeit, an den Aktivitäten des AK Wissenschaft und Praxis (W&P) aktiv zu partizipieren und alle auf der Liste eingetragenen Mitglieder des AK per Sammel-E-Mail zu erreichen.

  1. Der Arbeitskreis unterstützt alle Initiativen und Bemühungen, bessere Verbindungen und intensivierten Austausch zwischen der Friedens- und Konfliktforschung auf der einen und der Konfliktbearbeitungs- und Friedens-Praxis auf der anderen Seite herzustellen; er ist deshalb ein Arbeitskreis sowohl der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK) als auch der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung (https://pzkb.de/praxis-und-wissenschaft/).
  2. Das Leipziger AK-Treffen mit Mitgliedern sowohl der AFK als auch der Plattform ermöglichte eine breite Vernetzung und eine umfangreiche Sammlung von Ideen und möglichen Vorhaben des Arbeitskreises für die bevorstehenden 12 Monate, u.a.: Sammlung und Diskussion von best practices des wechselseitigen Wissenstransfers zwischen Praxis und Wissenschaft; Entwicklung von Austauschformaten gezielt für Praktiker*innen, die an transdisziplinärer Forschung zu ihrer Praxis interessiert sind; Informationsangebote über gelingenden Wissenstransfer für Early-Career-Wissenschaftler*innen der Friedens- und Konfliktforschung. 
  3. Das AK-Treffen in Leipzig hat für die kommenden 12 Monate eine Kerngruppe bestellt, die sich um die Koordination und Umsetzung der AK-Aktivitäten kümmern wird; ihr gehören Julia Dencker, Thomas Held, Gregor Walter-Drop und Christoph Weller an, die für alle Mitwirkungsideen und Konkretisierungen der AK-Vorhaben ansprechbar sind.

 

Panel „Transfer von Konfliktexpertise“ beim 31. Deutschen Präventionstag am 13./14. April 2026 in Hannover (https://www.praeventionstag.de/nano.cms/31-dpt-kongressprogramm?xa=details&id=307&kategorieid=73#titel)

 

 

Einladung zum Praxis-Wissenschaft-Transfer der Plattform: Bei der Jahrestagung der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung (am 22.-24. Juni 2026 in der Ev. Akademie Loccum unter dem Titel „Let’s talk Peace: Zivile Konfliktbearbeitung in Umbruchzeiten neu denken“) besteht die nächste Möglichkeit für Begegnung und direkten Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis in unserem Themenfeld (https://pzkb.de).

Inhaltliches (Literatur / Tagungspaper)

  • Weller, Christoph (2026): Vom Wert der Transdisziplinarität in der Konfliktforschung: Transdisziplinarität als konfliktiver, karrierehinderlicher Arbeitseinsatz. Vortrag im Panel „Inter- and transdisciplinarity and Innovation in Peace and Conflict Research“ bei der AFK-Jahrestagung „Ideen und Schnittstellen in der Friedens- und Konfliktforschung: Die Bedeutung inter- und transdisziplinärer Forschung“ am 11. – 13. März 2026 in Leipzig (https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/philsoz/fakultat/powi-friedens-und-konfliktforschung/aktuelles/e14/)

  • Burger, Selina/Weber, Nicki/Nägele, Alexandra/Krüger, Niklas (2025): Konflikten intersektional begegnen. 9. Peace Summer School „MIND THE GAPS!“, Augsburg, 19.-21. Juni 2025, in: Wissenschaft und Frieden 43: 4, 62-63 

  • Forschungskollektiv KomPa (2024): Perspektiven auf Kommunale Konfliktberatung. Erkenntnisse aus einem Projekt Partizipativer Konfliktforschung, Köln: forumZFD 
  • Mayr, Rachel C./Nägele, Alexandra (2024): „Konfliktokratie“: über Konflikt und Demokratie sprechen, Taungsbericht zur 8. Peace Summer School, in: Wissenschaft und Frieden 42: 4, 66-67 
  • Pauls, Christina/Dörner, Wolfgang/Huxol, Katharina/Lustig, Sylvia/Thomay, Marius/Weller, Christoph/Zöhrer, Michaela (2023): Konfliktbearbeitung erforschen. Ein erfahrungsbasierter Polylog über Partizipative Konfliktforschung. In: Konfliktdynamik 12: 3, Seite 221 – 228. doi.org/10.5771/2193-0147-2023-3-221
  • Lustig, Sylvia/Pauls, Christina/Weller, Christoph/Zöhrer, Michaela (2021): Wenn es knallt. Konfliktforschung und Konfliktberatung im Dialog, in: Großmann, Katrin/Budnik, Maria/Haase, Annegret/Hedtke, Christoph/Krahmer, Alexander (Hrsg.): An Konflikten wachsen oder scheitern? Beiträge zur Reflexion eines komplexen Phänomens. Erfurt, S. 173-190. Open Access erhältlich (Creative Commons CC-BY-SA4.0) unter:  https://www.migrachance.de/publikationen/
  • Dittmer, Cordula / Fröhlich, Christiane / Krause, Ulrike (2019): Wissenschaft und Praxis. Transdisziplinarität in der Friedens- und Konfliktforschung, in: Wissenschaft & Frieden 37: 1.

Archiv

Veranstaltungen

Der AFK-Arbeitskreis „Wissenschaft und Praxis“ führte das Fishbowl-Panel „Multidirektionaler Wissenstransfer als Beitrag zur Transdisziplinarität der Friedens- und Konfliktforschung“ durch, das Christoph Weller unter besonderem Hinweis auf die Praxisorientierung der Friedens- und Konfliktforschung mit seinen Transfer-Beobachtungen einleitete: Obwohl in Forschungs- und Förderprogrammen Transfer mehr denn je gefordert sei, werde er vom Wissenschaftssystem kaum belohnt. Wenn aber die Chancen der Transdisziplinarität für die Friedens- und Konfliktforschung ausgeleuchtet würden, sei Transfer ein wesentliches Element, denn alle drei Kennzeichen von Transdisziplinarität seien auf gelingenden Transfer angewiesen: (1) Für die Orientierung der Forschung an der Problembearbeitung müssen Wissenschaftler*innen verstehen, welche Praxisprobleme eigentlich bearbeitet werden sollen, weshalb Transfer in transdisziplinärer Forschung keine Ergänzung der wissenschaftlichen Publikation von Forschungsergebnissen ganz am Ende des Forschungsprozesses sei, sondern an dessen Anfang stehe, wobei die Wissenschaftler*innen dabei die Rezipient*innen des Transfers zwischen Praxis und Wissenschaft seien. (2) Auch die Methodologie transdisziplinärer Forschung, in der nicht-wissenschaftliches Wissen in eine produktive Verbindung mit wissenschaftlichem Wissen gebracht werden soll, basiere auf gelingendem Transfer, innerhalb dessen das jeweils andere Wissen verstanden werden muss, um seine Relevanz zur erfolgreichen Problembearbeitung angemessen beurteilen zu können. (3) Und die Umsetzung kollektiver Erkenntnisprozesse von Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen innerhalb des transdisziplinären Forschungsprozesses – als drittes Kennzeichen von Transdisziplinarität – stehe eigentlich ständig unter den Scheiterns-Bedingungen von Wissenstransfer. Wenn aber diesen drei Anforderungen transdisziplinärer Forschung durch erfolgreichen Transfer einigermaßen entsprochen werden könne, würde das, was üblicherweise mit „Transfer“ bezeichnet wird, völlig überflüssig. Denn die relevanten Praktiker*innen sind ja von Anfang an in die gemeinsame Forschung integriert und Praxiskommunikation findet bereits ständig im transdisziplinären Forschungsprozess statt, muss also nicht am Ende ergänzend hinzugefügt werden. 

Dieser Einführung in das Fishbowl-Panel folgten drei Diskussionsimpulse von transfererfahrenen Kolleg*innen, in denen u.a. darauf fokussiert wurde, wodurch sich der Transfer in der Friedens- und Konfliktforschung bzw. -praxis vom Transfer in anderen Forschungs- bzw. Praxisfeldern unterscheidet; zudem konnten Erfahrungen aus drei unterschiedlichen institutionellen Kontexten präsentiert werden: Christina Pauls (Universität Augsburg) berichtete als Geschäftsführerin des „Transferzentrum Frieden Augsburg“ von den Bedarfsanalysen gemeinsam mit Praktiker*innen, die am Beginn der jeweiligen Aktivitäten des Transferzentrums stünden, dessen Aufgabe darin bestehe, in unterschiedlichen Formaten und Kooperationsformen zum Transfer der Expertise der Friedens- und Konfliktforschung in die Praxisfelder der Friedensstadt Augsburg beizutragen. Dies hänge auch damit zusammen, dass das Transferzentrum Frieden Augsburg aufgrund der gemeinsamen Trägerschaft von Stadt und Universität bereits eine transdisziplinäre Einrichtung sei. Ginger Schmitz, Geschäftsführerin der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, betonte, dass bereits von ihrem Selbstverständnis als „Plattform“ her der Transfer in diesem Netzwerk angelegt sei, aber aktuell wachsende Bedeutung bekomme, weil das Feld der Friedensarbeit erheblich unter Druck sei, dem bei gelingendem Transfer erfolgreicher begegnet werden könne. Dabei sieht sie ein Transfer-Viereck am Werk von Wissenschaft, Praxis, Politik und Öffentlichkeit, wodurch Transfer in erheblichem Maße eine Form von Diskursarbeit darstelle. Zugleich dürfe nicht übersehen werden, dass Transfer in erheblichem Maße an einzelnen Personen hänge und nur schwer institutionell gesichert werden könne. Christof Starke (Friedenskreis Halle & Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung) differenzierte vor seinem Erfahrungshintergrund fünf verschiedene Transferfelder: einerseits eine Theoriebildung, in die Praktiker*innen direkt einbezogen werden, und andererseits eine aus der Praxis heraus entwickelte Forschung, für die aber zumeist die Ressourcen fehlten. Auch Lehraufträge von Praktiker*innen an Hochschulen sind aus seiner Sicht eine wertvolle Form des Transfers, ebenso die Mitwirkung von Wissenschaftler*innen an Austausch- und Begegnungsräumen, die praxisnah geschaffen werden. Und wofür sowohl von Praktiker*innen als auch von Wissenschaftler*innen seiner Meinung nach mehr getan werden müsse, sei der Transfer Richtung Politik, Öffentlichkeit und Gesellschaft. Mit diesen vier einleitenden Impulse waren für die sich anschließende Fishbowl-Diskussion zahlreiche Anregungen und vielfältige Erfahrungen geliefert, um mit allen Anwesenden über die Spezifika und die Zukunft des Transfers in der Friedens- und Konfliktforschung bzw. -praxis zu diskutieren.

Unter der Überschrift „Andocken, Kurs nehmen, Zukunft sichten“ kamen vom 12. – 14.11.2025 in der Ev. Akademie Loccum Menschen aus unterschiedlichen Feldern der Konfliktbearbeitung zusammen. Eingeladen hatte das „Bundesnetzwerk Konfliktbearbeitung“ (https://www.konfliktbearbeitung.org/) gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Loccum und dem „Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung“, der den Ausbau des Netzwerks im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt.

Aus dem Bericht von Martina Rieken: „Die Teilnehmenden spiegelten die Vielfalt des Arbeitsfelds wider: Die Praxis traf auf die Wissenschaft, der Mediationsverband auf den Bauernverband, die Wirtschaftsberaterin auf den Sozialpädagogen. Im Open Space-Format schufen sie eine prall gefüllte Tagesordnung und berieten in 30 Mini-Workshops über Fragen, die ihnen unter den Nägeln brannten: Wie gehen wir mit demokratiefeindlichen Gruppen um? Was kann eine Kommune nach einem terroristischen Anschlag tun? Welche Rolle spielt das Nervensystem in Konflikten? Was tun gegen Hass und Hetze im Internet? Wie messen wir Erfolge? Was bedeutet künstliche Intelligenz für die Konfliktberatung?

Beim Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zeigte sich, dass beide Seiten gerne mehr kooperieren würden. Häufig behinderten jedoch Berührungsängste, unterschiedliche Sprachen und Arbeitsweisen eine produktive Zusammenarbeit. Prof. Christoph Weller von der Universität Augsburg ermutigte die Praktiker:innen dazu, Wissenschaftler:innen anzusprechen. „Die wissenschaftliche Fragestellung sollte direkt mit der Praxis entwickelt werden. Dort entstehen die relevanten Fragen und dann kann die Praxis im Anschluss etwas mit den Forschungsergebnissen anfangen“, schlug er vor und setzt dies an seinem Augsburger Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung bereits um. „Die Wissenschaft könnte ihre Ergebnisse kompakter und in allgemein verständlicher Sprache darstellen“, empfahl Ulrike Geisler von B3 – Institut für Beratung, Begleitung und Bildung in Dresden.“

Wie kann der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft besser gelingen? Dieser Frage gingen rund 30 Expert:innen aus Politik, Praxis und Wissenschaft beim Transfer-Workshop des Bayerischen Zentrums für Friedens- und Konfliktforschung (BZeFK) am 13./14. Oktober in Augsburg nach.

 

Transfer ist kein linearer Prozess, der bei wissenschaftlichen Erkenntnissen beginnt und dann unidirektionale Wissensverteilung über die Grenzen des Wissenschaftssystems hinaus betreibt, sondern ein wechselseitiger Austausch mit vielen Facetten. Dies war der Grundtenor des Abschluss-Workshops des vom BMFTR geförderten „Bayerischen Zentrums für Friedens- und Konfliktforschung: Deutungskämpfe im Übergang“ (BZeFK), in dessen Mittelpunkt die vielfältigen Erfahrungen, aber auch Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Transfers im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung standen. Rund 30 Praktiker:innen, Wissenschaftler:innen und Politiker:innen diskutierten über die Zusammenarbeit von Transferbeteiligten, über geeignete Formate und Institutionen, um wissenschaftliche Expertise für die Gesellschaft relevant und verfügbar zu machen. Konkrete Impulse dafür lieferte unter anderem eine Keynote von Prof. Dr. Sebastian Büttner (Transfer Unit Wissenschaftskommunikation der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften), in der er den Transferbegriff aus der Perspektive der Wissenschaftsforschung beleuchtete.

Bereits im ersten Panel des Workshops wurde deutlich, dass Transfer keine Einbahnstraße ist. Dort formulierten Vertreter:innen aus Politik und zivilgesellschaftlicher Praxis zentrale Erwartungen an die Wissenschaft und den Transfer. Eine Teilnehmerin aus der Praxis brachte es in Richtung der anwesenden Wissenschaftler:innen so auf den Punkt: „Ohne uns wärt ihr aufgeschmissen.” Denn aus der Praxisperspektive setzt erfolgreicher Transfer voraus, dass die Wissenschaft weiß, welche Bedarfe vor Ort bestehen, wie Wissen aufbereitet werden muss und welche Formen des Austauschs wirklich produktiv sind.

Wie vielfältig Transfer dabei sein kann, zeigten die Beispielprojekte aus dem Forschungsverbund BZeFK selbst: Vorgestellt wurden künstlerische Interventionen zur Erinnerungskultur sowie eine gemeinsam mit Studierenden konzipierte Ausstellung. Gerade dort, wo experimentiert wurde, entstanden produktive Spannungen und neue Formen der Kooperation und des Transfers. Daran anschließend verdeutlichte der Roundtable zu Deutungskämpfen, dass Transfer immer auch mit Auseinandersetzungen um Bedeutung und gesellschaftliche Relevanz des Wissens einhergeht – und somit selbst Teil jener Konflikte ist, die in der Friedens- und Konfliktforschung untersucht werden.

Auch die institutionelle Ebene spielt für den Transfer eine zentrale Rolle: Vertreter:innen der Friedensakademie Rheinland-Pfalz, der Bayerischen Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung, des Transferzentrums Frieden Augsburg sowie der Forschungsverbünde TraCe und BZeFK berichteten, welche Transferstrukturen etabliert werden konnten, um mit spezifischem Wissen bestimmte Praxisfelder zu erreichen.

Die Auseinandersetzung mit Transfer blieb jedoch nicht bei Praxisbeispielen stehen. Begrenzte Ressourcen, unterschiedliche Logiken von Wissenschaft und Praxis sowie der Wunsch nach messbarer Wirkung stellen zentrale Herausforderungen dar. Gerade dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertrafen, entstanden dabei die lebendigsten Diskussionen – jenseits der oft gezogenen Grenze zwischen Wissenschaft und Praxis: Ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Frieden und Konflikten ohne Transfer überhaupt denkbar? Welche normativen Positionierungen sind mit Transfer verbunden? Und wie stark sind die jeweiligen Perspektiven disziplinär geprägt?

Der Workshop endete bewusst offen mit einem Panel zu Fragestellungen, Themen und Ideen für zukünftige Kooperationen und zu weiteren Formaten des Austauschs. So gingen die Teilnehmer:innen mit neuen Fragen, aber auch neuen Erkenntnissen und der Aussicht auf mehr Transfer auseinander. Für die nächsten Koordinations-Schritte steht der Arbeitskreis „Wissenschaft und Praxis“ der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK) zur Verfügung.

Mit der Tagung „Menschenrechte im Konflikt“ soll das komplexe Verhältnis von Konflikten und Menschenrechten in verschiedenen Perspektiven aus empirischer und theoretischer Sicht näher beleuchtet werden. WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen sind dabei gleichermaßen eingeladen, am 18. Juli 2014 im Schader-Forum in Darmstadt ihre Beiträge zu präsentieren und zu diskutieren.

Die Veranstaltung wurde vom Arbeitskreis Menschenrechte der DVPW und des AK Wissenschaft und Praxis der AFK und der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung in Kooperation mit der Schader-Stiftung realisiert.

Die AK Wissenschaft und Praxis war am 09.01.2014 bei der Podiumsdiskussion „Vertreibung – Konflikt – Frieden“ im Rahmen der GIZ-Veranstaltungsreihe „Wissenschaft trifft Praxis“ vertreten.

2012 gab es laut UNHCR über 45 Millionen Flüchtlinge und Binnenflüchtlinge. Die Mehrheit von ihnen lebte über viele Jahre in Lagern oder Siedlungen. Wie kann die internationale Zusammenarbeit die Menschen und die aufnehmenden Länder unterstützen? Welche Herausforderungen und Schwierigkeiten gibt es? Wie können Wissenschaft und Praxis voneinander profitieren? Am 9. Januar 2014 wurde diese und weitere Fragen im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu „Vertreibung – Konflikt – Frieden“ thematisiert, auf der die AK Wissenschaft und Praxis durch Ulrike Krause vertreten war und mit Eberhard Halbach der GIZ Kenia die Diskussion führte.